Jan 28 2013

Schulen S-H im Kampf gegen Neue Medien oder „In Klausuren mit … GPS abgeschrieben“

Wikipedia in Opera Mini von Jan Kaláb, Brno, Czech Republic 2006<br />Flickr Pitel -&gt; http://www.flickr.com/people/pitel/

Smartphone mit Wikipedia von Jan Kaláb, Brno, Czech Republic 2006

Update Mai 2012 

Bekanntlich tobt in Schleswig-Holstein ein Kampf gegen die Nutzung der sogenannten Neuen Medien an den Schulen.
Nutzung und Missbrauch werden scheinbar als untrennbare Einheit bewertet.

Ausdrücklich sein hier auch auf die Debatte rund um die Schulordnung der Theodor-Strom-Schule in Husum (TSS) Bezug genommen. Insbesondere auf die Argumentation der Schülervertretung (Update: Leider ist der vorstehende Link nicht mehr verfügbar. Schade) zu diesem Thema sowie auf den Artikel des Landesblogs  (jeweils mit weiteren interessanten Verweisen).
Aktuell ist in Schleswig-Holstein gerade die Peilsender-Debatte.

Dieser Artikel befasst sich nun mit dem „Elternbrief TJG“ Nr, 68 vom Dezember 2012 zu diesem weiten Themenkreis.

An der Kieler Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule wird in gewisser Regelmäßigkeit ein Elternbrief herausgegeben. Dieser Elternbrief wird nicht nur über die Schüler als Print-out an uns Eltern verteilt, sondern zusätzlich in moderner Weise auch im Internet veröffentlicht.

Leider hat es dieser Elternbrief Nr. 68 noch nicht zur Veröffentlichung im Web geschafft. Bei Abfassung dieses Artikels (27.01.2013) ist noch die Nr. 68 vom Dezember 2012 der aktuellste Elternbrief.
Unter der gefälligen URL http://a0248.server3.protendics.net/show.php?page_id=80 mag sich vielleicht zu einem viel späteren Zeitpunkt auch noch die Ausgabe Nr. 68 finden lassen.

Doch nun zum Thema böse neue Medien. In dem Leitartikel der Ausgabe Nr. 68 schreibt der Schulleiter auf der Seite 2 folgendes:

„Die begehrtesten Geschenke zu Weihnachten werden wahrscheinlich wieder die Handys, Tablets oder Smartphones sein. Die massenhafte Verbreitung macht (leider) auch vor der Schule nicht halt und führt zunehmend zu Problemen. In den Klausuren wird mit Kontakt zum Internet oder GPS-Satelliten abgeschrieben, im Unterricht heimlich unter der Bank „gesimst“, in den schlecht einsehbaren Ecken versucht, die Filter für Spiele, Seiten mit Gewalt oder pornografischen Inhalten zu umgehen. Moderne Formen des Mobbings werden ermöglicht. Wir werden nicht darum herumkommen, die Nutzung der Geräte in der Schule stärker als bisher zu reglementieren und ggf. bei Missbrauch auch zu sanktionieren.
Die Schulleitung und die Lehrkräftekonferenz schlagen vor, zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe einzurichten. Sie und Ihre Kinder sind herzlich dazu eingeladen, daran teilzunehmen. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an den Vorstand des Schulelternbeirates bzw. die SV.“

(die Hervorhebung Fett durch den Artikelverfasser)

Ich halte die Anführung von GPS nicht für einen Flüchtigkeitsfehler, sondern für ein zuverlässiges Indiz dafür, dass der Verfasser des Leitartikels nur über sehr geringe technische Kenntnisse zum Thema zu verfügen scheint. Es ist daher nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten, die  Medienkompetenz zu hinterfragen bzw. anzuzweifeln.

Die Ablehnung der bösen neuen Medien ist nicht nur durch das Wort „leider“ deutlich zu belegen. Der vorgetragen Einsatz neuen Medien durch die Schüler in „schlecht einsehbaren Ecken“ lässt das Misstrauen gegenüber den Schülern hervortreten. Andere Nutzungszwecke scheinen unbekannt oder zumindest als nicht wahrscheinlich bzw. sinnvoll.
Die Mischung aus fehlendem Wissen, Misstrauen gegenüber Schülern sowie neuen Techniken gepaart mit einer festen Überzeugungen erlaubt es, die angestrebte Reglementierung der Schulleitung und der Lehrkräftekonferenz ehr als Drohung aufzufassen.

Schülerbilder zu "Mobfer-f" von Theater Traumbaum Freies Kinder- & Jugendtheater Lothringerstr. 36 c 44805 Bochum BRD, http://www.flickr.com/people/theatertraumbaum/

Schülerbilder zu „Mobfer-f“

Ich denke, ich werde als Elternteil meine Mithilfe in der angesprochenen Arbeitsgruppe gegenüber der SV anzeigen.

 

 

 

 

weitere Informationen zusätzlich zu den obigen Verlinkungen :

 

Update Mai 2012 

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.wallinet.de/blog/2013/01/schulen-s-h-im-kampf-gegen-neuen-medien-oder-in-klausuren-mit-gps-abgeschrieben/

2 Kommentare

2 Pings

  1. Dein Artikel zeigt sehr deutlich wie zurückgeblieben viele Pädagogen in dieser Frage sind und dass in den letzte Jahren viele Chancen vertan wurden, über Sensibilisierung und Prävention die jetzigen verhärteten Fronten zu vermeiden. Dieser Bereich der Medienkompetenzerziehung fehlt schlichtweg an vielen Schulen und wird auch nach wie vor von den Entscheidungsträgern nicht forciert, obwohl es unglaublich viele gute Angebote gibt und man als unwissender Lehrer noch nicht mal sonderlich fit in diesem Thema sein muss, sondern sich günstig externe Fachleute einladen kann.

    Das bedeutet natürlich nicht, dass ich das Desinteresse und den begrenzten Horizont meiner Berufskollegen entschuldigen will, denn es ist mehr als an der Zeit im Hier und Jetzt anzukommen und die Diskussion über neue Medien in Schülerhand konstruktiv zu führen. Wie so oft nutzt der Großteil der Jugendlichen ihre technischen Spielzeuge mehr oder weniger sinnvoll, auf jeden Fall aber in erster Linie nicht zum Schaden anderer. Vielleicht sollte man lieber einmal darüber nachdenken, ob die Art und Weise, wie an Schulen Unterricht gemacht wird und anschließend Wissen abgeprüft wird hoffnungslos veraltet, wenn so eine große Angst besteht, dass sich Schüler mit ihrem Handy bessere Noten als verdient ergaunern könnten.

    1. Interessant finde ich, dass vielfach bereits ein mitgeführtes Smartphone etc. als Täuschungsversuch bezüglich besserer Noten gewertet wird und nicht die Nutzung. In der analogen Welt wäre also ein ungenutztes Wörterbuch Englisch-Deutsch in der Schultasche bereits ebenfalls als Täuschungsversuch zu werten. Ich empfinde dies als absurd.

      Andererseits erzählen mir alle meine Kinder, dass viele Lehrkräfte die Zeit der Klassenarbeit für alles mögliche nutzen zB für die Korrektur anderer Arbeiten. Kontrollgänge durch die Reihen oder der Aufenthalt der Lehrkraft hinter den Schülern – bei mir damals gang und gäbe – findet heute nur noch sehr vereinzelt statt.

      Ich denke, dies würde die illegitime Nutzung von GPS doch stark erschweren.

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  2. […] Januar dieses Jahres hatte ich mit dem Titel “Schulen S-H im Kampf gegen Neue Medien oder “In Klausuren mit … GPS abgeschrieben”” […]

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