Feb 10 2013

verengte Pupille – ein unwirscher Wirt

08. Februar 2013. Es ist der zweite Freitag im Monat.

Es ist DatenReisendenTreff (DRT).
Der DRT-Stammtisch dürfte das älteste IT-Treffen in Kiel sein.

Seit etwas über drei Jahren findet dieses Treffen in der Pupille in Kiel statt. Tischreservierung war

Standard. Fast immer derselbe Tisch im vorderen Bereich dicht am Tresen. Da ich regelmäßig zum DRT komme, war ich wohl so um die 36 Mal dort zu Gast. Der regelmäßige Verzehr der Gruppe lag im übrigen wohl immer über 100,00 €.

Die Bedienung ist weiblich, immer freundlich, hübsch, bisweilen keck und kess. Ein kleiner Mann mit südländischem Äußeren hilft den Bedienungen etwas. Ansonsten macht der irgendwas hinter dem Tresen, oft mit dem Telefon, sehr selten am Zapfhahn.

Auch dieses Mal lief nicht alles perfekt. Der grüne Tee war ein schwarzer, die Schälchen mit den Soßen waren nicht immer gefüllt, Besteck fehlte und sowas eben.

Macht nix, stört die DRT-Teilnehmer nicht – kleine Fehler werden humoristisch zwischen Bedienung und Gästen ausgeräumt. Es ist zwar immer etwas laut in der Pupille, die Musik gerade zum Betriebsende auf veralteten Schlagerniveau der 80’er. Aber ansonsten sitzt man dort nicht allzu schlecht.

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Nachdem nach mein Essen, welches zuvor eine Ehrenrunde bei einem Nachbartisch gedreht hatte, auch noch das Besteck geliefert wurde, wollte ich essen.  Bereits bei dem ersten Bissen war aber irgendwas nicht in Ordnung.

Im Mund hatte ich irgendwelche Dinge, die da in dieser Konsistenz nicht hingehörten. Einige Borsten, Stiele oder ähnlich von knapp über 1 cm Länge konnten am Tisch mit dem Finger geborgen werden. So vier, fünf Stück an der Zahl. Schlimmer war, dass sich irgendwas an den Mandeln verhakt hatte und einen echt starken Brechreiz auslöste. Unter den besorgten Blicken der anderen Teilnehmer eilte ich sprachlos mit Serviette vor dem Mund zur Toilette. Am Platz war es unmöglich, diese unbekannten Dinge aus der Mundhöhle zu entfernen. Dies gelang endlich – allein auf der Toilette -mit Wasser, Gurgeln und Spucke. Es handelte sich um zwei min. 1,5 cm langen – wie ich vermutete – Borsten. Näher untersucht habe ich diese Teile nicht.

Zurück am Platz sprach ich die Bedienung darauf an, dass vermutlich Teile eines Kochpinsels sich im Essen befanden. Besorgt fragte diese, ob ich das Essen denn noch behalten wolle. Fehler können passieren. Ich untersuchte deshalb das Essen in der Absicht, dieses trotz der unangenehmen Erfahrung nicht zurückzuweisen. Nachdem ich aber weitere Borsten oder ähnliches in gleicher Länge unter dem Fleisch fand, wollte ich dieses Essen nicht weiter verzehren. Das gesamte Gespräch verlief normal, eher leise und diskret. Die Bedienung nahm den Teller mit dem Ausdruck des Bedauerns mit zur Küche.

Von nun an wurde es wirklich skurril.

Der Teller wurde – befreit von den fremden Teilen – von der Bedienung wieder an den Tisch gebracht mit dem Hinweis, der Ursprung der Teile sei geklärt. Der oben erwähnte kleine Mann folgte der Frau und führte das „Gespräch“ weiter. Er unterrichtete mich, dass ich keine Angst vor dem Essen haben müsse. Es seien lediglich die Dillstengel der Kräuterbutter. Diskret und leise wurde der Herr, der sich als „ich bin hier Chef“ vorstellte, darüber informiert, was soeben passiert war, und auch -sofern überhaupt zutreffend – Dill in dieser Länge und insbesondere Härte und Konsistenz so nicht ins Essen gehöre. Er fand das aber okay. Ich brauche das Essen nicht essen, müsse es aber zahlen. Dies lehnte ich ab. Er bot noch an Fotos vom – gereinigten – Teller zu machen. Ich müsse zahlen. Er nahm dann den Teller nach einer Weile ähnlicher Ausführungen doch mit. Er fragte nicht nach Ersatz oder anderen Wünschen.

Nach einer kurzen Weile kam er wieder an den Tisch und teilte mit, dass er die Küche extra kontrollieren würde. Ich sei ja wohl das erste Mal in dem Lokal, da er mich noch nie gesehen habe. Das Essen sei immer einwandfrei. Er könne nicht akzeptieren, dass ich was essen würde ohne zu zahlen (einen(!) Bissen – sonst unangerührt). Auf Grund seiner impertinenten Art und Dauer seiner Ansprache, mischten sich andere DRT-Teilnehmer ein und wiesen daraufhin, dass wir Stammgäste seien und er langsam Ruhe geben und sich mäßigen solle. Er zog dann irgendwann, aber nicht sofort, von dannen.

Auf Grund einer noch ausstehenden Bestellung warteten wir diese noch ab. Wir wollten ja die Zeche in keiner Form prellen. Die Gespräche drehten sich bei uns am Tisch nun darum, dass wir wohl das Lokal heute und auf Dauer verlassen würden und mit welchem Ziel.

Die ausstehende Bestellung traf ein und wurde verzehrt. Der „Chef hier“ hörte hiervon nichts, gab aber keine Ruhe. Jetzt fing er an, mich mit seinem iPhone vom Tresen aus zu fotografieren. Ich fotografierte zurück.20130208_212604

Die Zahlung wurde eingeleitet.

Dies reichte ihm nicht. Er kam jetzt an den Tisch und fotografierte mich aus direkter unmittelbarer Nähe. Ich habe mir dies verboten, da ich es als absolute Belästigung empfand aus ca. 1 Meter Entfernung fotografiert zu werden. Er erläuterte daraufhin, er sei hier Chef und könne machen was er wolle. Die anderen können bleiben, ich habe jetzt auch noch Lokalverbot. Die anderen Teilnehmer haben mehrfach die Empfehlung ausgesprochen, nicht zu antworten und zu gehen. An beides habe ich mich auch gehalten.

Nachdem wir das Lokal verlassen hatten, hat der „Chef“ zu einem Teilnehmer gesagt er sei sonst nicht so und gebe auch gern mal einen aus und er würde sich entschuldigen. Ihm wurde gesagt, dass es dazu zu spät sei und der Betreffende (also ich) bereits weg sei.

Wir sind dann in die „Comic-Galerie-Kneipe ERBSE” umgezogen und verbrachten einen netten restlichen Abend. Die Gespräche kamen aber oft auf diesen Vorfall zurück.  Die Info wurde sofort gesimst. Mehrmals lachte jemand leise auf – nachdem er die Ereignisse in Gedanken hat Revue passieren lassen – und nahm das Thema nochmal auf.

Insgesamt waren wir in der Pupille nicht unzufrieden. Die Bedienung war wie gesagt nett. Kleinere, wenn auch nicht seltene, Fehler machten eher den unkomplizierten Charme aus, als dass es wirklich störte.

ABER man sollte das Essen in Demut einnehmen – egal was drin ist -, wenn der „Chef“ da ist. Sonst wird es wirklich skurril.

DRT jedenfalls findet ab sofort NICHT mehr in der Pupille statt. Die neue Lokation wird per Twitter, G+ und im WalliNet noch mitgeteilt.

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2 Kommentare

1 Ping

  1. … was Du nicht alles machst, um den wöchentlichen Blogeintrag zu füllen 🙂

    1. Als IronBlogger muss ich jetzt jedes kleine Erlebnis meiner langweiligen Tage nutzen oder herbeiführen. Sonst wird es teuer.

  1. […] verengte Pupille – ein unwirscher Wirt […]

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