Mrz 29 2013

Ein „Tanzverbot“ ist keine geschützte Religionsausübung

Heute ist Karfreitag.

Ich habe heute arbeitsfrei – dies wäre mir aber auch in der nächsten Woche oder noch recht gewesen. Ich bin da nicht so festgelegt.

Karfreitag Foto von: Anton-kurt http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Anton-kurt

Karfreitag
Foto von: Anton-kurt http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Anton-kurt

Mir ist klar, dass es sich bei Karfreitag um einen christlichen Feiertag handelt. Dies ist der Tradition geschuldet. Wir könnten ja auch andere Tage in diesem Zeitraum suchen und finden. Der früheste Karfreitag wäre nach Wikipedia der 20.März, der späteste der 23.April. In dieser Zeit fallen nach Wikipedia verschiedene mögliche Gedenk- und Aktionstage. So konnte man den Frühlingsanfang am 21.03. (gilt  auch für dieses Schneeostern) oder am 23.04. den Tag des Deutschen Bieres feierlich begehen. Ich wäre da flexibel. Die Tatsache, dass wir alle Rücksicht nehmen und insbesondere den Christen frei geben um ihren als Pflicht empfundenen Ritualen und Diensten nachzukommen ist schon sehr tolerant. Das dies nicht so sein muss, sieht man ja am Buß- und Bettag. Dieser christliche Feiertag wurde auf einem wichtigerem Altar, als den der Kirche geopfert, nämlich dem goldenen Kalb der Wirtschaft. Ein Geschenk an die deutschen Arbeitgeber.

Angestoßen durch eine öffentliche Petitionen beim Landtag Schleswig-Holstein gibt es eine öffentliche Debatte in den Medien. Diejenigen, die die Macht haben entsprechende Gesetze zu erlassen und Tanzverbote unter Strafandrohung auszusprechen, fordern teilweise die Achtung der religösen Gefühle ein, für die die christlichen Feiertage eine besondere Bedeutung haben.

Ich will nicht darauf hinaus, dass es hierbei ohnehin nur um christliche Regularien geht. Sollten wir alle religösen Vorschriften umsetzen, die für einige Menschen in Deutschland gelten, würde dies bestimmt die Wirtschaft auf den Plan rufen. Ich will dies auch ich.

Wir sind doch tolerant. Wir hören die zum Gottesdienst und Gebet lockenden Glocken, auch wenn der Verlockung immer weniger gefolgt wird. Dies zu ohnehin festen Terminen, die die Gläubigen vermutlich sehr genau kennen und keines ergänzenden akustischen Signales bedürfen. Wir brauchen heute ehr Ruhe als den akustischen Hinweis an mittelalterlichen Feldarbeiter. Wir haben Kalender, Uhren SMS und Twitter. Aber durch Gesetz und Rechtsprechung wird dies als Teil der geschützten Religionsausübung bewertet. Wir lauschen daher (teilweise) nun auch einem Muezzin. Nun gut.

Diesem Schutzgedanken wird ja in Deutschland sehr weit entsprochen. Ich erinnere hier an die unlängst getroffene Sonderregelung für religiös begründete Beschneidungen (derzeit nur bei Jungen) , die durchaus als Körperverletzung angesehen werden könnte und wurde.

Aber wie verhält es sich nun hier. Welche Religionsausübung wird hier geschützt.

Das Gegenteil ist der Fall. Jeder kann es unterlassen zu tanzen wenn er will oder sein Glaube dies ihm vorschreibt. Es geht hier ja beim Tanzverbot nicht um eine konkrete direkte Störung einer Religionsausübung. Nein, man verlangt unter Strafandrohung, dass man sich Zwängen der christlichen  Rituale unterwirft. Man könnte mE genauso gut Fasten und den freitaglichen Fischgenuß erzwingen.

Als Atheist oder Anhänger einer anderen Religion werde ganz konkret gezwungen, etwas zu unterlassen,  weil dies einer christlichen Religion nicht entsprechen würde ohne das diese in ihrer Religionsausübung konkret tangiert ist.

Ich will heute gar nicht tanzen gehen, aber denke es ist gut, die Petition mit zu unterzeichnen und werde dies heute am Karfreitag auch tun. Die Trennung von Kirche und Staat ist wichtig und bei weitem noch nicht vollständig vollzogen.

In Bremen ist jedenfalls mit Stimmen der GRÜNEN und der SPD eine Änderung der gesetzlichen Regelung nach einer ähnlichen Petition eingetreten.

Ankündigung:
Ich werde in diesem Blog demnächst noch negative Beispiele anführen, wie Religion anderen übergestülpt wird,

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