Apr 25 2013

Der kalte Hauch der Geschichte – Bis zuletzt aktiver „Gestriger“

Bei einem Flickr-Treffen am 21.04.2013 in Plön kamen wir auf der Prinzeninsel bei dem dort befindlichen Kadettenfriedhof vorbei.

Gräberfeld

Auf diesem Kadettenfriedhof befinden sich im Wesentlichen verschiedene ältere Gräber aus den beiden Weltkriegen wie auch aus einem ehemaligen Internat. Dieses Internat hat eine ganz besondere Geschichte. Es handelte sich um eines von 38 Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (amtlich: NPEA, auch: Napola – Nationalpolitische Lehranstalt) verteilt über ganz Deutschland. Eines davon befand sich in Plön.

Verschiedene Informationen über die älteren Gräber finden sich im Internet. Diese Seiten verlinke ich hier aber wegen mir nicht klaren Ausrichtung dieser Informationsangebote mit Absicht nicht.

Auf dem Gelände fiel ein neuer Grabstein auf. Dies unter anderem insbesondere deshalb, weil zuvor die Frage erörtert wurde, ob der Friedhof noch in Betrieb sei. Der Spruch auf dem Grabstein tat ein übriges.

Klaus-Christoph Marloh"Heldengrab" eines aktiven Gestrigen?
28.7.1923 – 16.3.2009
1933 – 1939 NPEA Plön
Crew V/41
1942 – 1945 U-Bootwaffe
Besitz stirbt,
Sippen sterben
Du selbst stirbst wie sie
eins nur weiß ich,
das ewig lebt:
Der Toten Tatenruhm

Dies weckt Interesse – und Verdacht.

Zu dem Namen – rasch eingegeben bei Google – findet sich sofort eine ganze Menge an einschlägigen Verweisen. Marloh ist sicherlich eine „ewig Gestriger“ gewesen. Als Kriegsteilnehmer war er mehrfach Redner auf rechten und rechtsradikalen Veranstaltungen.

Besonders eindrucksvoll ein Interview mit Marloh des „United States Holocaust Memorial Museum“ in Washington, DC. Das nachstehend verlinkte Tondokument wurde in komprimierter Form ins englische übersetzt und steht (leider nur) als Worddokument ebenfalls zur Verfügung.

Es ist schon seltsam, so zufällig auf solche Spuren zu stoßen. Es ist ein wirklich kalter Hauch der Geschichte der einen da anweht. Es läuft einem ein richtiger Schauer über den Rücken.

Marloh lebte zuletzt in Seevetal. Ob er wirklich in Plön auf dem Kadettenfriedhof bestattet wurde oder nur der Stein dort steht weiß ich nicht.

Der neue Grabstein und der Spruch gerade an dieser Stelle und in dieser Zeit ist aber schon an sich bemerkenswert.

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1 Kommentar

    • Wolfgang Quistorf on 02.11.16 at 12:53
    • Antworten

    Viel empörender finde ich, daß, um Platz für Gräber wie dieses zu schaffen, die Namensgebenden Kadettengräber planiert wurden.
    Noch in den Siebzigern, meine ich mich zu erinnern, standen dort die Gräber der Zöglinge der Kaiserlichen Kadettenanstalt.
    Die Gräber junger Menschen die vielfach das fünfzehnte Lebensjahr nicht erreicht haben.

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